Sendung mit Solidarität

Die Verantwortlichen für die Sendung „Germany 12 Points“, die heute Abend auf der ARD und allen dritten Programmen ausgestrahlt wird, haben in nur wenigen Tagen ein komplett neues Konzept auf die Beine gestellt. Mit dem Hintergrund des Krieges in Europa wird der  deutsche Vorentscheid für den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) ganz im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine stehen. Der eigentliche Wettbewerb startet erst um 21 Uhr. Zuvor führt Ingo Zamperoni durch die Sendung, die die aktuelle Situation der ukrainischen Bevölkerung und die Reaktion der Menschen in Deutschland in den Fokus rückt. Es geht um Fragen wie „Wie kann ich helfen?“ und „Wo und wie wird schon geholfen?“. Die ARD ruft über das Spendenkonto von „Bündnis Entwicklung Hilft“ und „Aktion Deutschland Hilft“ zu Spenden auf. Die letzten Tage waren sehr anstrengend, da wir ständig neu planen mussten, um z.B. einen homogenen Übergang zur Spendensendung herzustellen“, sagt Alexandra Wolfslast, Head of Delegation und Hauptansprechpartnerin für alle Belange rund um unseren deutschen Beitrag. In der anschließenden Sendung zur Auswahl unseres deutschen Musik-Acts für Turin im Mai, wird unter anderem die ukrainische ESC-Siegerin von 2016 Jamala auftreten. Ihr damaliger Gewinnersong „1944“ handelt von der Deportation der Krimtataren durch Josef Stalin, darunter war auch ihre Großmutter. Nun musste Jamala aufgrund des Angriff-Krieges von Putin flüchten. Gemeinsam mit ihren Kindern ist die 38-Jährige bei ihrer Schwester in Istanbul untergekommen, ihr Ehemann ist in der Ukraine geblieben. Moderatorin Barbara Schöneberger wird mit Jamala auch über deren Flucht sprechen. „Wir wussten auch bis vor Kurzem nicht, ob das mit Jamalas Auftritt in der Sendung klappt, und darauf sind wir sehr stolz“, sagt Alexandra Wolfslast.

Head of Delegation Alexandra Wolfslast © Bild: NDR/Hendrik Lüders.

Die Bedeutung des ESC als länderübergreifender friedlicher Kulturaustausch soll auch beim eigentlichen Vorentscheid hervorgehoben werden. Teilnehmen können Länder, deren nationale Rundfunkanstalten Mitglied der European Brodacast Union (EBU) sind. Russland wurde von der EBU vom Wettbewerb ausgeschlossen und trat daraufhin komplett aus der Vereinigung aus. Nachdem im vergangenen Jahr die italienische Rockband Måneskin den Wettbewerb gewann, findet der diesjährige ESC am 14. Mai in Turin statt. Wer Deutschland vertreten soll, darüber konnten die Zuhörer der Radio Popwellen der ARD auf den Internetseiten der Sender die ganze Woche bereits abstimmen. Zu Auswahl stehen Emily Roberts, Felicia Lu, Malik Harris, die ehemaligen „The Voice of Germany“-Teilnehmer Eros Atomus aus Flensburg und Maël & Jonas aus Koblenz (wir haben alle Künstler*innen hier auf dem Blog vorgestellt). Das Ergebnis des Radio-Votings wird zur Hälfte in das Endergebnis einfließen und in der Sendung von bekannten Hörfunk-Moderatoren und Moderatorinnen für ihr Sendegebiet ganz im ESC-Stil mit Punktevergabe verkündet. Für WDR2 übernimmt die Rolle z.B. Jan Malte Andresen. Die restlichen 50 Prozent kommen vom Fernsehpublikum nach den live-Auftritten. Einige Songs wurden kurz vor der Sendung noch einmal verändert. So hat Felicia Lu ihren Song über „Anxiety“ auf die maximal erlaubte Länge von drei Minuten verlängert und für die Bühne neu arrangiert. Nico Suave & Team Liebe haben ihren gute Laune Hit „Hallo Welt, wie geht’s dir?“ noch einmal an die aktuelle Situation angepasst, nachdem sie viel Kritik geerntet hatten, mit dem Text die Gefühle vieler Menschen zu bagatellisieren. Statt nun in ihrem Song zu fragen „Warum so down?“  heißt es jetzt „Hallo Welt, ich seh dich! Das macht mich down“. Ob das regelkonform sei, erklärt Alexandra Wolfslast mit der Ausnahmesituation: „Unter normalen Umständen wäre es nicht gegangen, aber die Künstlerinnen und Künstler haben sich sehr unwohl gefühlt mit ihrem Ursprungstext. Das kann man in diesem Fall wirklich verstehen. Das hätte sie wahrscheinlich sehr beschädigt So ist es definitiv der bessere Weg.“

Auch die Auswahl der Künstler und Künstlerinnen war im Vorfeld stark kritisiert worden, nachdem der Publikumsliebling „Eskimo Callboy“ aus dem Wettbewerb geflogen war und nur radiotaugliche Popnummern zur finalen Abstimmung stehen. Alexandra Wolfslast wünscht sich generell eine stärkere Unterstützung der deutschen Beiträge: „Nach einem ausgefallenen ESC, einem ESC in Corona-Zeiten und nun einem in Kriegszeiten wünsche ich mir persönlich, einen ganz normalen ESC zu erleben, bei dem wir mutig, offen und respektabel mit unseren Künstlern umgehen. Dabei können wir uns von anderen Ländern wirklich eine Scheibe abschneiden, die das Event, ihre Teilnahme und ihre Künstler feiern. Mit einer nationalen Begeisterungswelle könnte man auch mit einem schlechteren Ergebnis besser leben. Und mir wäre persönlich auch die Musikrichtung egal.“

Auf die Geschichte des internationalen Musik-Wettbewerbs und ihre tatsächlichen Hits, blickt Babara Schöneberger mit ihren Gästen in der Abstimmungspause. Darunter Conchita, ESC-Siegerin von 2014, Moderator und Komiker Thomas Hermanns, einer der prominentesten ESC-Fans in Deutschland, sowie Comedian Bülent Ceylan und Jane Comerford. Als Sängerin von „Texas Lightning“ stand sie 2006 für Deutschland auf der ESC-Bühne.

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