Wer holt das gläserne Mikro?

Turin mit Bildern von Turin und dem gläsernen ESC Mikrofonpokal
Quelle: Città di Torino, EBU / Stijn Smulders, EBU / Thomas Hanses

Wer macht dieses Jahr das Rennen? Und wer steht in Turin eher hinten an? Die 41 teilnehmenden Länder ernennen zur Zeit ihre Künstler:innen für den ESC.
Viele Länder haben schon die Hälfte der Miete. Belgien, Griechenland oder die Niederlande gaben zum Beispiel schon bekannt, welche Künstler sie vertreten.

Einige Länder aber haben Künstler:innen und Song schon ausgewählt, weswegen wir hier einen vollkommen neutralen und unbeeinflussten Überblick über diese geben.

Stand: 15.02.2022

Albanien

„Sekret“ von Ronela Hajati ist natürlich auf Albanisch gesungen. Es fängt erst wie eine klassische Balkanballade an, unterstützt von einem Chor und Streichern, doch nach wenigen Sekunden gibt es den Stilbruch und Trommel geben den Takt vor. Fast schon orientalische Klänge sind zu hören und Ronela singt mit tiefer Stimme. Zwischenzeitlich lassen sie und ihre Tänzerinnen den Pferdeschwanz kreisen und man hat leichte Ruslana-Vibes.
Es ist eine stabile Balkannummer die, wenn sie auch beim ESC so umgesetzt wird, im Kopf bleibt. Nichtsdestotrotz muss „Sekret“ einen Revamp erhalten. Er ist zu lang. Stichwort: „three minutes, bye bye“.

Bewertung: 3 von 5.

Bulgarien

„Intention“ vom sehr selbstbewussten Intelligent Music Project ist der erste Rocksong dieses Jahr. Jedoch ist es in keiner Weise mit dem Vorjahressieger Måneskin zu vergleichen, eher geht es in Richtung Nickelback, aber mit einem gehörigen Schuss Schlager dazu.
Im Song geht es darum, dass es niemals zu spät ist das Richtige zu tun, man braucht nur die richtige Intention 😉

Bemerkenswert: Der Drummer der immer wieder neu zusammengestellten Band war bereits 2007 und 2013 für Bulgarien beim ESC.

Bewertung: 2 von 5.

Estland

„Hope“ von STEFAN entführt die Hörer in den Wilden Westen. Im Song geht es darum für seine Freiheit, Rechte und seine Mitmenschen einzustehen. Während Stefan im Musikvideo die Hoffnung zu Grabe trägt, kann dieser Song selbst ein Gefühl der Hoffnung verbreiten.

Ein guter Song, der sicherlich in den Schnelldurchläufen auffallen wird, allerdings bleibt offen, ob das reichen wird. Ein richtiger Höhepunkt, an dem man sich erinnern wird, fehlt.

Bewertung: 2.5 von 5.

Finnland

„Jezebal“ bringt dieses Jahr den Rockigen Sound in den ESC. Und dass von keiner anderen Band als „The Rasmus“. Die Band wurde 2003 mit dem Hit „In the Shadows“ bekannt und war damals 19 Wochen auf Platz ein der deutschen Singlecharts.

Nach dem es international um die Band in den vergangenen Jahren etwas ruhiger geworden ist, bekommen sie nun mit ihrer Teilnahme am ESC wieder frischen Wind in die Segel. Im Song wird Jezebal, eine männerjagende Frau besungen, die allen den Kopf verdreht. Der Sound erinnert ein bisschen an Nickelback doch unterm Strich bleibt sich The Rasmus treu.
Nach dem Måneskin- und Blind-Chanel-Erfolg letztes Jahr, scheint es für die Band ein Anstoß gewesen zu sein den ESC aufzumischen. Doch ein ungeschriebenes Gesetz besagt: Niemals gewinnt dieselbe Stilrichtung im Folgejahr.

Bewertung: 3.5 von 5.

Irland

„That’s Rich“ von Brooke Scullion handelt nicht von Reichtum, sondern davon sich niemals mit jemanden zufrieden zu geben, der einen runterzieht. Das Pop-Lied hat einen eingängigen Refrain, kann aber leider schnell im ESC untergehen. Was es braucht, ist eine bessere Inszenierung.

Seit 2015 gab es in Irland erstmals wieder einen Vorentscheid. Diesmal war dieser in der Late Late Show integriert. Mit Brooke gewann sowohl die Favoritin der Zuschauer als auch der Internationalen Jury.

Bewertung: 2.5 von 5.

Israel

„I.M“, so heißt der Song, mit dem Israel den Sänger Micheal Ben David ins Rennen um das gläserne Mikrofon schickt. Dem Künstler fehlt es kein Stück an Selbstbewusstsein, wenn er wie ein Model über die Bühne stolziert. Der Song selbst hat zwei Seiten. Zuerst beginnt er mit dem souligen Part „Keep your Head up“, wechselt dann ganz schnell in eine Pop-Nummer, die zwischendurch den roten Faden verliert. Trotzdem kann dieser Song beim ESC mit einer klugen Inszenierung einen guten Platz erreichen.

Bewertung: 3 von 5.

Italien

„Brividi“ ist eine gefühlvolle Ballade eines Liebespaares, das weiß, dass sie nicht mehr füreinander bestimmt sind und dennoch nicht voneinander lassen können. Es lässt die Hörer mit der Gewissheit zurück, dass Italienisch die einzige Sprache ist, die überhaupt dieses Gefühlsspektrum ausdrücken kann, selbst wenn man kein Wort Italienisch spricht.

Mahmood und BLANCO sind zwei Künstler (ja, richtig gelesen), die mit viel Gefühl und Können ein paar Zeilen im Falsett, dann im Rap abwechselnd oder im Duett zum Besten geben.

Auch wenn BLANCO noch ein junger Sänger ist und keine direkte Erfahrungen mit dem ESC sammeln konnte, wird Mahmood ihm sicherlich eine große Stütze sein. Mit dem Song Soldi eroberte er 2019 die Herzen der Zuschauer im Sturm. Dabei konnte er den zweiten Platz erringen, nur 27 Punkte hinter Duncan Laurence.

Bewertung: 5 von 5.

Kroatien

„Guilty Pleasure“ von Mia Dimšić ist Lied übers Fremdgehen, das ins Ohr gehen kann. Denn hört man nicht genau hin, so wirkt es wie ein süßes, unaufgeregtes, kleines Liebeslied. Wenn es, wie beim kroatischen Vorentscheid DORA auch noch den letzten Startplatz hat stehen die Chancen auf eine gute Platzierung hoch.

Der Song wirkt in gewisser Weise zerbrechlich und punktet dennoch mit dem eindrucksvollen Tänzer der Mia Dimšićs Song körperlich stark untermalt. Diesen jungen Mann sollte sie auf jeden Fall mit nach Turin nehmen. Ohne ihn geht das Lied schnell unter.

Lettland

„Eat your Salad“ von der Band Citi zēni ist ein funkiger Popsong, der auch von Stefan Raab sein könnte. Dieser Song weiß jedoch nicht genau was er will. Ist es ein ernstgemeinter Song, der zur Klimarettung aufruft oder ist es ein humorvoller Song, der sich darüber lustig macht? Gleichzeitig stößt einem beim Durchlesen der Lyrics der machohafte Text auf. Gerade in der aufgeklärten ESC-Bubble kann das auf Widerstand stoßen.

Tschechien hat 2018 den ähnlich anzüglichen Song „Lie to me“ beim Eurovision vorgetragen und hatte dennoch eine große Fanbase. Das machte sich auch in den Punkten bemerkbar. Sie erhielten den sechsten Platz und somit das beste Ergebnis seit Tschechien beim ESC teilnahm.

Bewertung: 2.5 von 5.

Litauen

„Sentimentai“ von Monika Liu kann man in keine richtige Schublade stecken. Sie tritt auf wie bei einem Chanson, die Musikrichtung ist aber eine Elektroballade mit Soundeffekten aus den 70ern. Sie singt über den Verlust ihres Partners und dass dieser nicht mer zurückkommen wird. Der Song plätschert ein bisschen vor sich hin und kann schnell langweilig werden. Vermutlich wird das schwer werden mit dem Finale.

Bemerkenswert: Das ist der erste, vollständig auf litauisch gesungene Song seit 1994.

Bewertung: 1.5 von 5.

San Marino

“Stripclub” und der Sänger und Rapper Achille Lauro wollen ähnlich wie die Vorjahressieger Måneskin provozieren nur kommt Achille Lauro nicht an das Level von Måneskin heran. Schwer tätowiert mit einer starken Bühnenpräsenz singt er auf Italienisch und Englisch den punkigen Rock Song.

Aufsehen erregte die Teilnahme am Vorentscheid in San Marino von Achille Lauro auf jeden Fall, war er doch zwei Wochen zuvor noch im italienischen Vorentscheid mit dem Song DOMENICA ausgeschieden. Wir dürfen auf jeden Fall auf San Marino gespannt sein.

Bewertung: 3.5 von 5.

Spanien

„SloMo“ steht Eleni Foureia mit ihrem Song Fuego in Nichts nach. Die Künstlerin Chanel, die durch den neu entstandenen spanischen Vorentscheid Benidorm auserwählt wurde, überzeugt mit einer ausgeklügelten Tanzperformance. Sie schmeißt selbstbewusst ihre Haare und ihre Hüfte über die Bühne und verbreitet damit starke spanische Vibes.

Sicherlich wird Spanien damit weiter kommen als im letzten Jahr (drittletzter Platz) aber ob sie um den Sieg singt, so wie sie nach ihrem Sieg in Benidorm stolz verkündete, bleibt noch offen.

Bewertung: 4 von 5.

Slowenien

„Disko“ von der Band LPS bringt eleganten, klassischen Sound in den ESC. Der unaufgeregte, funkige Song kann mit den Retro-Vibes gute Laune machen. Dabei ist der Text selbst gar nicht so schön. Der Sänger Filip Vidušin erzählt davon, wie ihn seine große Liebe für jemand anderen verlässt aber in seinen Träumen tanzen die beiden immer noch zusammen.

Die unaufgeregte Band LPS, die so jung aussieht, dass sie noch problemlos aus Schülerband durchgehen könnte, hat sich apropos nach dem Drama um das letzte Pizzastück „Last Pizza Slize“ benannt. Im slowenischen Vorentscheid gewannen sie sowohl die Herzen des Publikums als auch der Jury. Ob es beim ESC auch so gut läuft bleib abzuwarten. Ruhige Songs haben es schwer, können aber mit einem guten Startplatz und wohlwollenden Jurys brillieren, so wie letztes Jahr Portugal.

Bewertung: 3.5 von 5.

Malta

„Out of Sight“ gesungen von Emma Muskat ist ein Popsong dem es an Höhepunkten fehlt. Sicherlich singt Emma Muskat sehr gut doch der Song selbst bleibt beim besten Willen nicht im Kopf. Nur das kleine Mädchen, dass ihr junges Ego darstellen soll merkt man sich. Doch das wird schwer mit dem ESC. Kinder sind auf der Bühne in Turin nicht erlaubt.

Was es braucht ist ein Revamp das dem Song mehr Tiefe und vor allem einen Höhepunkt verleiht. So wie es jetzt ist, wird es Malta vermutlich nicht ins Finale schaffen.

Bewertung: 2.5 von 5.

Moldau

„Trenuletul“ von Zdob si Zdub & Fratii Advahov wurde dieses Jahr von Moldau ins Rennen geschickt. Die Zeile „Hey ho let’s go, Folklore Rock and Roll” aus dem Refrain fast ganz gut zusammen, worum es in diesem Song geht. Ein Hauch von Andreas Gabalier weht bei diesem sehr volkstümlichen Song mit. Geige, Bass und Akkordeon tun ihr übriges. Dieser Song darf sicherlich mit Humor genommen werden. Es ist auf jeden Fall was anderes beim ESC und wird sicherlich dadurch herausstechen.

Die Band selbst ist ein alter ESC-Hase. Bereits 2011 und 2005 gingen sie für Moldau ins Rennen. Jedes Mal, wenn irgendjemand zeigen möchte welche Blüten der ESC treiben kann, wird ein Schnittbild von ihrem Auftritt in Düsseldorf gezeigt. Wir dürfen also gespannt bleiben.

Bewertung: 3 von 5.

Nord Mazedonien

„Circels“ fängt stark an, dabei überzeugt die Sängerin Andrea mit ihrer dunklen Stimme, doch sobald der Refrain einsetzt, wird der Song beliebig. Sie wird es schwer haben, sich im Vorentscheid durchzusetzen.

Dafür braucht sie eine gute Bühnenperformance und am besten auch noch einen Revamp.

Bewertung: 2 von 5.

Norwegen

„Give That Wolf A Banana” von der Band Subwoolfer ist nichts anderes als ein Meisterwerk der Comedy. Mit den markanten Masken der beiden Sänger und dem Tanz, den spätestens beim Finale die ganze Halle mittanzen wird, wird es Subwoolfer weit nach vorne schaffen.

Manche vermuten hinter den kruden Lyrics die an das Märchen von Rotkäppchen erinnern ein Aufruf sich impfen zu lassen. Stellt die Banane die Impfung dar und der Wolf Corona so würde der Refrain frei übersetzt lauten: Gib Corona eine Impfung so dass Corona nicht deine Oma tötet.

Bis jetzt ist unklar wer eigentlich hinter den Masken der Sänger und dem DJ Astronaut stecken. Fans vermuten aber niemand anderen als die Band Ylvis die den Milliarden Hit „The Fox“ geschrieben haben darunter. Wir dürfen uns auf ein Spektakel beim am 14. Mai freuen.

Bewertung: 4.5 von 5.

Tschechien

„Lights Off“ ist der Song der tschechisch, norwegischen Band “We are Domi“. Der solide Elektropop Song kann so manch einen Hörer in den Bann ziehen. Sicherlich werden aber auch einige vollkommen vom Sound des Keyboards und der E-Gitarre, die mit einem Geigenbogen gespielt wird, genervt sein. Die Sängerin Dominika Hašková hingegen kann mit einer markanten Stimme punkten.

Im Song besingt die Band die Ungewissheit und Verwirrung einer Person, die sich getrennt hat. Markante Zeilen, die im Kopf bleiben. Treibende Bässe setzen ein kleines Ausrufezeichen und werden sicherlich dazu beitragen, dass Tschechien dieses Jahr auf der linken Tabellenseite zu finden sein wird.

Bewertung: 3.5 von 5.

Ukraine

An dieser Stelle stand bis vor kurzem noch Alina Pash mit „Тіні забутих предків“ (Schatten vergessener Vorfahren). Doch die Künstlerin hat sich am 16.02.22 vom ESC, trotz gewonnenem Vorentscheids, zurück gezogen, da ihr unter anderem vorgeworfen wurde verbotenerweise über Russland auf die Krim gereist zu sein. Sie bestreitet das. Zudem gab es beim Vorentscheid Vorwürfe der Zweitplatzierten bezüglich des Auszählungsergebnisses.

Ein Text von Caro

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