Herzenssieger

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Denken wir zurück an das Jahr 1956. Die Schweiz ruft sieben Länder zusammen um einen Pan-Europäischen Schlagerwettbewerb auszurichten. Was sich erst einmal gar nicht so groß anhört, bedeutet unfassbar viel. Erst 11 Jahre zuvor war Europa tief in den Wirren des Zweiten Weltkrieges versunken. Nachbarn waren Feinde und nur elf Jahre später sangen sie gegeneinander und konnten durch die Abstimmung der Jury nur für andere Lieder, andere Länder Punkte vergeben. Was für ein Erfolg: Aus Totfeinden wurden Mitstreiter. Aus Mitstreitern wurden Freunde.

Und noch heute, 65 Jahre später, steht neben der Musik vor allem das Miteinander im Vordergrund. Gerade während Corona, wodurch es den Teilnehmenden Künstler*innen schwer gemacht wurde sich kennen zu lernen, stach unser Jendrik hervor. Während zum Beispiel alle während der Eröffnungszeremonie auf dem türkisfarbenen Teppich sich und ihre eigenen Songs vorstellten und promoteten, trug Jendrik auf seinem Jackett Bilder von Künstler*innen, die aufgrund von Corona nicht daran teilhaben konnten. Außerdem stimmte er auf seiner glitzernden Ukulele einige Songs derjenigen an, die nicht da sein konnten.

Jendrik auf dem Türkisen Teppich mit den Bildern von Fünf Künstler*innen am Rever. Quelle: EBU/THOMAS HANSES

Während der Proben investierte er abends seine Freizeit, um die australische Künstlerin Montiagne per Photoshop auch dabei sein zu lassen. Und er stellte ihr ein ganz besonderes und persönliches ESC Packet aus dem Delegation Room zusammen.

Während der Punktevergabe hat er sich nicht nur sehr für die Sieger Italien gefreut, sondern tröstete, laut Peter Urban, auch die anderen Teilnehmer, die ebenfalls Null Punkte beim Publikumsvoting erhielten. Das ist ein gelebter europäischer Gedanke. Bitte zukünftig mehr davon.

Doch das alles sind Gründe abseits seines Songs. Ja, Jendrik hat den vorletzten Platz gemacht. Ja, das Lied war vielleicht nicht das Beste. Doch die Botschaft des Liedes war es. Jendrik hat die größte Bühne der Welt nutzen können, um ein Statement gegen Hass zu setzen. Er hat die Aufmerksamkeit genutzt, um auf diskriminierte Gruppen aufmerksam zu machen und er hat allen vorgelebt, wie man mit Hass richtig umgeht.

Jendrik hat diesen Song komplett allein geschrieben. Er hat so hart für seine Teilnahme gekämpft, wie vermutlich kein anderer Interpret für Deutschland.

Um es mit den Worten von Lars Erikson aus dem Netflixfilm Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga zu halten:

„… Wie ihr wisst ist Eurovision weitaus mehr als ein Wettsingen und Musik ist kein Wettbewerb. Der perfekte Song ist nicht das Gewinnerlied, sondern der Song, der von Herzen kommt.“

Lars Erikson aus dem Netflixfilm „Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga“

Wir können und sollten also stolz auf Jendrik sein. Er hat zwar nicht gewonnen oder eine hohe Platzierung gemacht, aber er hat vor allem Menschlichkeit bewiesen und das schaffen unter dem enormen Druck die Wenigsten.

Ich persönlich hoffe, dass wir noch viel von ihm hören und sehen werden.

Ein Text von Caroline Mülheims

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