„You are strong enough girl!”

Dieses Jahr strotz der ESC nur so von starken und empowernden Persönlichkeiten. Besonders einige Frauen stechen hervor. Einen kleinen Auszug davon stellt Autorin Caro hier einmal vor.

Australien

Auch wenn Montaigne den Finaleinzug mit dem Song „Technicolour“ nicht geschafft hat, gehört sie zu einer Gruppe von Künstlerinnen, die nicht versuchen anderen zu gefallen. Sie zieht ihr Ding durch und ruft in ihrem Song dazu auf die die Mäntel abzulegen „Time to take off your cloaks“. Sie meint die Mäntel des „Verstellens“. Weiter singt sie:

„If we stand together, we can do whatever”

(Wenn wir zusammenhalten, können wir alles schaffen.)

Nicht nur in Zeiten von Corona eine starke Aussage, die durch ihr selbstbewusstestes Verhalten nur noch mehr verstärkt wird.

Montaigne, Australia, First Semi-Final, Live On Tape, 18 May 2021 — JESS GLEESON
Montaigne, Australia, First Semi-Final, Live On Tape, 18 May 2021 — JESS GLEESON

Frankreich

Barbara Pravi war bisher nur als Songwriterin bekannt. Unteranderem schrieb sie am Siegertitel des Junior Eurovision 2020 mit. Ihren Song „Voila“ bezeichnet sie als ihr Outcoming als Sängerin. 
Das französische Chanson im Stil von Edith Piaf beginnt erst zögerlich, doch entwickelt immer mehr Kraft allein aus ihrem Gesang heraus. 

Pravi wird am Samstag diesen Song ganz allein vorstellen. Ohne Tänzer, bezaubernde Technik oder andere Effekten. Im Vergleich zu anderen Teilnehmenden wirkt ihr Staging geradezu verletzlich und schutzlos. Ihre Stärke: Allein ihre Stimme, Gestik und Mimik. Über den Song sagt sie, dass er wie sie sei.  Er sei über ein Mädchen, dass allein auf die Bühne gehe und alles mit dem Publikum teile, was es geben könne.

„Tout c’que j’ai est ici, c’est ma gueule c’est mon cri Me voilà, me voilà.“

(Alles, was ich habe, ist hier, es ist meine Visage, es ist mein Schreien. Das bin ich ich, das bin ich)

Aus ihrer Verletzlichkeit zieht sie ihre Stärke und wird damit sicherlich das Publikum für sich einnehmen können.

Barbara Pravi (France 2021) — FTV / JOÊL SAGET
Barbara Pravi (France 2021) — FTV / JOÊL SAGET

Lettland

Samanta Tina ist eine Wiederholungstäterin. Nicht zum ersten Mal versuchte sie für Lettland beim ESC anzutreten. Seit 2013 gab es schon mehrere Versuche, die aber immer in den Vorentscheiden des Landes endeten. 2020 funktionierte es dann, doch wie wir wissen, kam Corona dazwischen. Nach der Absage wurde sie intern auch für 2021 ausgewählt und tritt nun mit der Emanzipationshymne „The moon is rising“ an. Grundsätzlich ein sehr empowernder Song in dem sie sich selbst als die „Königin der Nacht“ ankündigt. Zeilen wie:

„I’m a woman, I‘m a ruler“

(Ich bin eine Frau, ich mache die Regeln)

„You got something to say, say it to my face“

(Du hast etwas zu sagen, sag es mir ins Gesicht)

Es schwingt eine gehörige Portion Selbstbewusstsein mit doch wer ihren Weg schon länger verfolgt, dem fällt auf, dass sie diesen Stil noch nicht so lange pflegt. 

Sie trat auch 2013 im lettischen Vorentscheid hauchend mit der Schmachtbalade „I need a hero“ an und gewann nicht. Zum Glück muss man sagen, den ihr Lied in diesem Jahr ist auf jeden Fall besser. Bleibt zu hoffen, dass Tina selbst hinter dieser neuen Message steht.

Samanta Tina (Latvia 2021) — ARTŪRS MARTINOVS
Samanta Tina (Latvia 2021) — ARTŪRS MARTINOVS

Malta

Destiny ist eine Erscheinung. Auf einer vollkommen in Pink gehaltenen Bühne steht die 18-Jährige in einem strahlenden Oberteil und singt in die Welt hinaus:

 „Hell no I am not your honey“

(verdammt nein, ich bin nicht dein Schätzchen).

„So if I show some skin doesn’t mean I’m giving in“

(Nur weil ich etwas Haut zeige bedeutet das nicht, dass ich [dir] nachgebe)


Der Song richtet sich vor allem an Verehrer, die nicht damit klarkommen, dass Destiny sie abblitzen lässt. Am Ende der Performance ruft sie alle Frauen dazu auf, sich nicht von einem bestimmten Rollenbild beeinflussen zu lassen.

Mit ihrem überwältigenden Stolz und sichtbarem Selbstbewusstsein steht sie nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Pressekonferenz nach ihrem Finaleinzug. „This is my life story. It’s about me, but it’s not just about me. It’s about me, it’s about you, it’s about us.” (Das [der Song] ist meine Lebensgeschichte. Er ist über mich, aber nicht nur über mich. Er geht um mich, es geht um dich, es geht um uns). Gerade mit dem letzten Satz spricht sie in erster Linie Frauen an. 

Destiny, Malta, First Semi-Final, Rotterdam Ahoy, 18 May 2021 — EBU : ANDRES PUTTING
Destiny, Malta, First Semi-Final, Rotterdam Ahoy, 18 May 2021 — EBU : ANDRES PUTTING

Russland

Manizha ist die erste Künstlerin seit 2012, die von Russland aufgrund der Ergebnisse eines nationalen Vorentscheides geschickt wurde. Sie Sängerin, die in Tadschikistan geboren wurde und als Kind nach Moskau mit ihrer Familie floh ist Aktivistin für Frauenrechte und UN-Botschafterin des guten Willens für Flüchtling. Ihr Song „Russian woman” ist größtenteils auf Russisch und manchmal auf Englisch.

„Every russian woman needs to know you’re strong enough, you’re gonna break the wall“ (Jede russische Frau muss wissen: du bist stark genug du, wirst die Wand brechen) 


Für ihren Song erhielt sie viel Gegenwind, besonders aus Russland. Der Song sei nicht gut, da zu viel auf Russisch gesungen werde, hieß es. Nachdem Finaleinzug sagte sie dazu im Interview: „I am so proud now that I am a Russian woman singing in the Russian language.“ (Ich bin so stolz darauf eine russische Frau zu sein die auf Russisch singt.)

Ihr Staging ist auch sehr bemerkenswert. Zu Beginn steht sie in einem überdimensionierten traditionellen Kleid, aus dem sie später aussteigt und anfängt zu rappen. Zwischendurch werden einzelne Textzeilen auf der Wand angezeigt. Zum Beispiel: „Don’t be afraid“ (Hab keine Angst). Gegen Ende werden auf der LED-Wand hinter ihr Videos von hundert russischen Frauen in all ihrer Vielfalt gezeigt, die mit ihr den Song singen. Sie kniet vor ihnen nieder. Was für ein Bild! 

Manizha, Russia, First Semi-Final, Rotterdam Ahoy, 18 May 2021 — EBU : ANDRES PUTTING
Manizha, Russia, First Semi-Final, Rotterdam Ahoy, 18 May 2021 — EBU : ANDRES PUTTING

 

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