Dem Himmel nah

„Jedes Mal wenn ich die erste Zeile von „Amen“ singe, berührt es mich und ich muss die Tränen zurückhalten“, erzählt Vincent Bueno im Meet & Greet nach den ersten Proben. Kein Wunder, symbolisiere es doch für ihn all den Kummer und die Erfahrungen, die er in den vergangenen Jahren gemacht habe. „Der Song hat mich gefunden.“ Das Autorenteam Ashley Hicklin, Jonas Thander und Tobias Stuber haben bei dem 35-Jährigen einen Nerv getroffen. So klingt der Text zwar erst einmal nach einem Song über Liebenskummer, aber spätestens beim herzzerreißenden Amen, lässt der österreichische Kandidat in seine Seele blicken. Und wenn er dann noch erzählt, dass er dabei auch an seine 2019 kurz nach der Geburt verstorbene Tochter denkt, bekommt seine ehrliche Ergriffenheit einen realen Bezug. 

„I bet it’s just another funeral to you 

But for me it’s the end 

A marching band are playing gone too soon.”

Song Amen

Im Universum verloren

Gjon’s Tears, Switzerland, Second Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 14 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING

Von Abschied und Neuanfang sing auch der 21-Jährige Gjon Muharremaj, alias Gjon’s Tears, in einem Song „Tout l’univers“ für die Schweiz. Bei seiner Performance steht er auf Betonmauern, die in ihren Grundfesten erschüttert werden. Dazu singt er verletzlich in sphärische Höhen und kraftvoll artikulierend. Seine klassische Ausbildung am Konservatorium in Bulle und an der Gustav Akademie in der Kantonshauptstadt Freiburg kommt ihm dabei zu Gute. Zu berühren ist ihm wichtig und zieht sich bereits durch sein ganzes musikalisches Leben. Als er mit neun Jahren seinem Großvater „Can’t help falling in love“ vorspielt, rührt er diesen zu Tränen, was ihn zu seinem späteren Künstlernamen inspiriert. Auch wenn er die Geschichte dazu nicht mehr gerne erzählt, wie er mir im Interview verraten hat.

Sein Song war übrigens ursprünglich auf Englisch, aber Gjon fand französisch passender:

Tout l’univers 

Nos deux cœurs sous la terre 

Au milieu des failles où tout éclate 

Se trouver au point d’impact

Sans toi

Song Tout l’univers

Übersetzt:

Das ganze Universum

Unsere zwei Herzen unter der Erde

Inmitten der Spalten, wo alles explodiert

Befindet sich eine Einschlagsstelle

Ohne dich

Gjon’s Tears, Switzerland, Second Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 14 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING

Zwei starke Stimmen, bereit in die Seele blicken zu lassen. Das ganze Universum – Amen – die einen würden es vielleicht als pathetisch bezeichnen, aber das würde den Song und Künstlern nicht gerecht. Vor allem Vincent hatte im vergangenen Jahr mit seinem ersten Song erst einmal ganz andere Töne angeschlagen, textlich war „Alive“ sogar gegensätzlich. Eine Dance-Pop-Nummer, die dem ausgebildeten Musicaldarsteller auch gut zu Gesicht stand. Dieses Jahr startet er einen neuen Anlauf, eigentlich sogar sein dritter: wenn man die Teilnahme am Vorentscheid 2016 und den Einsatz als Backgroundsänger bei Nathan Trent 2017 in Kiew mitzählt. Im Interview erzählt er, warum der ESC damals für ihn wie ein großer Workshop war. 

Teaserbild: Gjon’s Tears, Switzerland, Second Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 14 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING / & Vincent Bueno, Austria, Second Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 13 May 2021 — EBU / THOMAS HANSES

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