Erste Proben

Die erste Woche mit Proben, Pressekonferenzen und Pustetests in Rotterdam liegt hinter den Künstlern, Pressevertretern und Delegationen. Den Anfang machte The Roop aus Litauen, die bereits im vergangenen Jahr zu den Favoriten zählten und auch mit ihrem neuen Song „Discoteque“ einen top-10-Platz in den Wettquoten einnehmen. Litauen ist eines der Länder, die dem Künstler von 2020 eine neue Chance im aktuellen Jahrgang bietet. Natürlich mit neuem Song im Gepäck, schließlich sieht das Regelwerk der EBU (European Broadcast Union) vor, dass der teilnehmende Song nicht vor September des Vorjahres veröffentlicht worden sein darf. So gelten für alle erneut die gleichen Voraussetzungen. Mit Ausnahme, dass Bands und Künstler, die bereits 2020 antreten wollten, nun Vergleiche mit ihrem ersten Lied standhalten müssen. 

The Roop, Lithuania, First Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 8 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING
The Roop, Lithuania, First Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 8 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING

Die fünf von The Roop schaffen das spielend und präsentieren in ihren Proben den Look und die Performance aus dem Vorentscheid: Gelbe Outfits, verrückte Choreografie, inklusive wahnwitziger Fingerspiele. Nachahmungsversuche erwünscht. Im Backdrop sieht man eine Mischung aus violetten und schwarz-weißen optischen Täuschungslinien und stroboskopischen Lichtimpulsen. Da sie auch das erste Semifinale am Dienstag, den 18. Mai, eröffnen werden, sollten alle Zuschauer sofort wachgeschüttelt sein. 

The Roop, Lithuania, First Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 8 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING

In Deutschland werden die Semifinale auf ONE ab 21 Uhr live übertragen. Aufgrund der Big-Five-Regelung ist Deutschland bereits im Finale gesetzt und muss nicht beim Semifinale antreten.

1996 qualifizierte sich der deutsche Beitrag "Planet of Blue" nicht für das Finale. Da Deutschland zu einem der Hauptgeldgeber zählt, wäre ein Ausscheiden oder gar fernbleiben des Landes für den Wettbewerb finanziell ein großes Problem. Ähnlich wäre es bei den Ländern Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich. Daher sind seit 1997 diese "Big Five" im Finale bereits gesetzt. Einen festen Finalplatz hat zudem immer das Gastgeberland. (Quelle: Dr. Irwing Wolther: Die ganze Welt des Song Contest) 

Für alle anderen Länder gilt: Deren Zuschauer und nationale Jurys dürfen bereits im Halbfinale für ihr Lieblingssong abstimmen, indem auch ihr Länderbeitrag auftaucht. Für den darf natürlich nicht angerufen werden. Damit die in deutschlandlebenden Zuschauer ebenfalls in einem Halbfinale zum Hörer greifen und die deutsche Jury ihre Punkte abgibt, wurde Deutschland das erste Halbfinale zugelost; genauso wie Italien und die Niederlande. Frankreich, Spanien und Großbritannien sind im zweiten Semifinale stimmberechtigt. Im Finale dürfen dann alle abstimmen, auch ausgeschiedene Länder.  

Zurück zum ersten Probentag: Slovenien, Russland, Schweden, Nord Mazedonien und Irland durften ebenfalls Bühnenluft schnuppern. Australien wäre auch dabei gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie greift Montaigne mit ihrem Song Technicolor auf das Live-on-Tape-Video zurück, das alle Teilnehmer im Vorfeld unter gleichen Bedingungen als Back-up drehen mussten. Auch im Fall einer Corona-Erkrankung kommen die Videos zum Einsatz. Das Szenario, dass der ESC aufgrund von hohen Inzidenzen oder Lockdowns vor Ort ausfallen muss, scheint abgewendet zu sein. In der ersten Woche wurde nur die ukrainische Sängerin Kateryna Pavlenko mittels PCR getestet, da sie sich nicht gut fühlte. Eine Probe musste die Band Go_A daher ausfallen lassen. Glücklicherweise war es Fehlalarm und die Ukraine kann voraussichtlich im ersten Semifinale mit ihrem Song „SHUM“ starten. Hoffentlich ist Kateryna dann auch stimmlich fit, denn der so genannte „weiße Gesang“, auch Schreigesang genannt, verlangt der Stimme einiges ab, er gehört zu den eher landestypischen Klängen beim diesjährigen ESC. 

Go_A, Ukraine, First Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 9 May 2021 — EBU / THOMAS HANSES

Mit Länderstereotypen und Erwartungshaltung spielt auch Manizha, die Vertreterin Russlands. Das DIY-Multitalent mixt in ihrem Song „Russian woman“ verschiedene Musikstile, von ethnischer Musik bis Rap und präsentiert eine starke Botschaft: Frauen sollen sich von Sexismus, sozialem Druck und Diskriminierung nicht klein halten lassen. Das klassische überdimensionierte Kleid, dass sie am Anfang des Songs trägt, oder besser gesagt fährt, besteht aus Patchworkstücken aus verschiedenen Regionen Russlands und wurde von den verschiedensten Bevölkerungsgruppen für den Beitrag eingesendet. Wie sie aus diesem traditionellen Kleidungsstück letztendlich ausbricht, zeigt ihre Performance, die von Videoeinblendungen von russischen Frauen im Hintergrund untermalt wird. Ganz im Sinne von Jendriks Song „I don’t feel hate“ begegnet auch Manizha ihren Kritikern nicht mit Gegenhass, wie sie im Interview mit Web-Moderatorin Nikki erzählt. „These haters just need love“ und ihre Aufmerksamkeit richte sich an die Frauen in Russland, denen sie sagen möchte: „Be ready for the change!“

Manizha, Russia, Second Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 12 May 2021 — EBU / THOMAS HANSES

Am zweiten Tag wurden chronologisch die Beiträge der zweiten Hälfte des ersten Semifinales geprobt und am folgenden Tag stand bereits der zweite Durchlauf für diese Künstler an. Dazu später mehr.

Donnerstag war es dann endlich soweit: Die Big-5 und damit auch Deutschland reisten an und Jendrik stand die erste Live-Performance in Rotterdam bevor.

Jendrik, Germany, Backstage, Rotterdam Ahoy, 13 May 2021 — EBU / ANDRES PUTTING

Wie sich Jendrik auf der Bühne fühlte, hat er in der anschließenden Pressekonferenz verraten:

„Es war wirklich ein Traum auf dieser Bühne zu stehen und jetzt nach zwei Jahren Vorbereitungszeit wirklich den Song zu singen, den ich selber geschrieben habe, war überwältigend“

Die Aufregung war ihm auch bei der ersten Probe anzumerken. Der schnelle Text des Songs in Kombination mit energiegeladenen Tanz-Moves und Steppteil, fordern Jendrik stimmlich einiges ab. Nach dem zweiten Durchgang war er sichtlich aus der Puste. Er und seine Crew, wie er seine vier befreundeten Tänzerinnen und Backing-Vocals nennt, haben nun noch eine Woche Zeit an Ausdauer und Aufregungsbewältigung zu arbeiten. 

Jendrik, Germany, First Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 13 May 2021 — EBU / THOMAS HANSES

Teaserbild: The Roop, Lithuania, Second Rehearsal, Rotterdam Ahoy, 12 May 2021 — EBU / THOMAS HANSES

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