ESC 2019 – auf der Überholspur

182 Millionen Zuschauer weltweit sahen das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) 2019 am 18. Mai 2019. Exakt zwanzig Jahre nach dem letzten Sieg von Israel im Wettbewerb schaffte es 2018 Netta das Event erneut in ihr Heimatland zu holen, diesmal nach Tel Aviv.

Nach ihrem Gewinner-Performance im vergangen Jahr hatte Netta noch „Wir sehen uns in Jerusalem“ in die Arena und Kameras gerufen. Das hatte prompt zahlreiche Diskussionen zur Folge. Neben zahlreichen Sicherheitsbedenken, sorgte man sich vor allem um die Symbolwirkung der Ortswahl. Schließlich hatte die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem bereits weltpolitisch zu Spannungen geführt. Es gab sogar Boykottaufrufe, unter anderem von Künstlern, die einen offenen Brief im britischen Guardian veröffentlichten. Im Zentrum der Palästinenser-Konflikt. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) solle den ESC nicht in einem  Land veranstalten, der laut ihrer Aussage Menschrechte ignoriere. Selbst wenn das Musikevent offiziell unpolitisch sein soll, so gab es in der Vergangenheit oft Kritik an Austragungsländern, politisch motivierte Punktevergaben und Diskussionen um politische Vereinnahmung, zuletzt in Aserbaidschan, Russland oder in der Ukraine.

Letztendlich fiel die Wahl auf Tel Aviv und viele Kritikpunkte lösten sich in Luft auf. Tel Aviv gilt schon lange als Partymetropole mit großer LGTB-Community. Doch bevor die nationalen Delegationen mit ihren ESC-Künstlern die Stadt aufmischten, standen im Frühjahr erst einmal die Promo-Events unter anderem in London, Madrid und Amsterdam an. Beim größten Fanevent „Eurovision in Concert“ (EiC) in Amsterdam konnten sich Fans, Presse und die Künstler beschnuppern und einen ersten Eindruck der Performances bekommen.

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Folgende Künstler stellten sich dabei meiner Schnellfragerunde:

Luca Hänni aus der Schweiz

Nach einigen mauen Jahren sorgte Luca Hänni für die Schweiz für Hochstimmung beim ESC. Bereits nach seiner Nominierung durch Zuschauer und Fachjury wurde er mit seinem Song „She got me“ als Favorit gehandelt. In Deutschland ist er noch durch seinen Sieg bei DSDS 2012 bekannt. Zehn Punkte gab es letztendlich auch vom deutschen Publikum für den sympathischen Sunny-Boy. Er belegte insgesamt den vierten Platz, das beste Ergebnis für die Schweiz seit 1993.

Mein Fazit: Immer noch im Ohr, super Song, toller Typ.

Leonora aus Dänemark

Die 20-Jährige stand etwas verloren bei EiC im Pressebereich und wirkte sehr schüchtern. Dabei ist sie dreifache dänische Juniormeisterin im Eiskunstlauf und müsste den großen Auftritt gewohnt sein. Auch sie qualifizierte sich mit ihrem Song „Love is forever“ beim dänischen Vorentscheid und letztendlich auch für das Finale beim ESC. Die gute Laune Nummer mit typischer „heile Welt-Anmutung“ kommt in vier Sprachen daher:  Englisch, Französisch, Dänisch und Deutsch und landete letztendlich auf Platz 12.

Mein Fazit: „Love is forever“ ist einer dieser Songs, den ich noch vor wenigen Jahren super gefunden hätte. Nette Botschaft, eingängig. Doch heutzutage ist mir die Idee dahinter einfach zu kalkuliert. Die schwache stimmliche Leistung bei EiC hat dieses Bild gefestigt.

Miki aus Spanien

Mit einem typischen Sommerhit „La Venda“ versuchte der 23-Jährige Miki sein Glück beim ESC 2019. Wie bereits im Vorjahr hatte die Castingshow „Operación Triunfo“ den ESC-Vertreter gesucht. Der Katalane setzte sich gegen neun Mitstreiter durch. In Amsterdam sprang der Funke auf das Publikum über, das sich im kühlen April bereits ins sonnige Tel Aviv sehnte. Als Big-5-Land war Spanien bereits im Finale gesetzt, wo es nur für Platz 22 reichte.

Mein Fazit: Platzierung war zu schlecht für diesen schönen Sommerhit-Ohrwurm, der einen festen Platz in meiner Playlist hat.

Sarah McTernan aus Irland

Im vergangenen Jahr schickte Irland den Singer-Songwriter Ryan O’Shaughnessy, der die ESC-Welt schnell eroberte. Die 25-Jährige Sarah tat sich bereits in Amsterdam damit schwerer. Im Interview war die freundlich aber distanziert. Mit ihrem Song „22“ konnte sie ihr volles Potenzial mit ihrer souligen Stimme nicht ausreizen. In Tel Aviv kam letztendlich noch eine umstrittene Performance im 50er Look als Bargirl dazu, der ihr letztendlich den Finaleinzug verhagelte.

Mein Fazit: Kühl und distanziert funktioniert beim ESC nicht, egal wie gut die Stimme ist.

Jurij Veklenko  aus Litauen

Auch der 29-Jährige Juij schaffte es mit seinem Song „Run with the lions“ nicht ins Finale. Im Gegensatz zu seiner irischen Konkurrentin, war Jurij im Interview keineswegs distanziert, sondern flirtete und flachste was das Zeug hielt. In seinem Song zeigte der großgewachsene Sänger, dass er spielerisch von der kräftigen Bruststimme in eine verletzliche Kopfstimme wechseln kann. Leider blieb auch dieser Song hinter den Möglichkeiten zurück.

Mein Fazit: Ich hätte den Song gerne gemocht, Jurij zuliebe. Doch er war langweilig.

Lake Malawi aus Tschechien

Eine Band, die man eher nicht beim ESC erwartet. Sie selbst mussten sich auch erst einmal mit der Veranstaltung vertraut machen, gaben sie im Interview zu. Aber mit ihrer offenen Art spielten sich mit dem fluffigen Song „Friend Of A Friend“ schnell in alle Herzen. Albert Černý (Sänger, Gitarre), Jeroným Šubrt (Bass, Keyboard) und Antonín Hrabal (Schlagzeug) waren vorher bereits als Band unterwegs und touren auch nach dem ESC wieder auf Festivals und kleineren Konzertlocations. Beim Semifinale überraschten sie dann mit einer Musikvideo ähnlichen Live-Schnitt-Performance, wie es im vergangenen Jahr bereits Mikoslaf Josef aus Tschechien erfolgreich vorgemacht hatte. Zum Glück gab es viele Punkte von den Jurys, sodass Lake Malawi auf dem 11 Platz landeten. Von den Zuschauern gab es überraschenderweise kaum Punkte.
Mein Fazit: Die Jungs würde ich gerne live bei einem Open-Air-Konzert sehen.

Sisters aus Deutschland

Ja, die Sisters….Was soll ich dazu sagen. Dass ich das Vorgehen beim Deutschen Vorentscheid ziemlich daneben fand, kann man auf dem Blog ausführlich nachlesen. Ich könnte jetzt mit Häme und „Ich hab es euch ja gesagt“ daherkommen, aber damit würde ich Carlotta und Laurita nicht gerecht. Die beiden sind gute Sängerinnen, sympathisch und authentisch im Interview und haben einen starken Auftritt absolviert. Trotzdem gab es nur den vorletzten Platz und null Punkte vom Zuschauer. Die höchsten acht Punkte von Weißrussland kamen übrigens von einem Algorithmus,  nachdem die Jury disqualifiziert worden war.

Das Thema „Frauenpower“ (bzw. die Absage an den Konkurrenzkampf unter Frauen) hatte auch Tamara Todevska aus Nordmazedonien mit der Ballade „Proud“. Diese kam bei den Jurys so gut an, dass es kurzeitig nach einem Sieg aussah. Letztendlich wurde es ein respektabler siebter Platz. Das internationale Songwriterteam der Sisters konnte bei den Jurys mit ihrem Song dagegen kaum punkten. Dies allein scheint also kein Erfolgsgarant zu sein. Die Konkurrenz war zu stark für einen mittelmäßigen Song zweiter netter Mädels, die künstlerisch noch auf der Suche nach sich selbst sind.

Mein Fazit: Den Song „Sister“ kann ich mir tatsächlich schwer in Erinnerung rufen, was meinen ersten Eindruck bestätigt, dass er von Anfang an keine gute Wahl war.

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